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Denkmalverträglicher Umbau «Haus zum Schönfels»

Umbau und Renovation

Eine Aufstockung bei einem denkmalgeschützten Haus gab es in der Altstadt von St. Gallen seit Jahrzehnten nicht mehr. Da der Akt der Aufstockung aber genauso zum Denkmal gehört, nahm man das Projekt in Angriff.

Zu den Besonderheiten des Gebäudes gehört, dass es sowohl zur Brühlgasse als auch zur Löwengasse hin geöffnet ist und wegen der früheren Nutzung als Stickerei ungewöhnlich breite Mittelkorridore aufweist. Diese werden im neuen Konzept geschickt als Begegnungszonen integriert. Nach dem Umbau stehen dank Aufstockung in Holzelementbauweise 17 Mietwohnungen mit Balkon oder Dachterrasse sowie zwei Gewerbeflächen im Zentrum der St.Galler Altstadt zur Verfügung. Neu ist der Lift. Er befindet sich in einem bisher ungenutzten Innenhof, der auch das Nachbarhaus anbindet. Im alten Gewölbekeller wird der Waschsalon hergerichtet, dazu ein Velokeller und ein Entsorgungsraum. Hingucker sind die grossen Fenster im Erdgeschoss und das städtische Mansardendach.

Historische Bausubstanz fordert systematisches Vorgehen
Die Umwandlung des ehemaligen Fabrikgebäudes in attraktiven Gewerbe- und Wohnraum stellt einen erheblichen Eingriff in die historische Bausubstanz dar. Um diese zu erhalten, war bei der Durchführung der umfangreichen Baumassnahmen ein systematischer Ansatz erforderlich. Mit einem Team von vier bis zehn Bauarbeitern – abhängig vom Arbeitsablauf – führten wir zunächst den Rückbau von Teppichböden, Holzdecken, Trennwänden und Metalldecken durch. Da die Gebäudehülle intakt bleiben würde, spriessten wir die Tragkonstruktion und bauten die Stahlträger aus. Nach dem Rückbau kümmerten wir uns um den Einbau des Lifts und den Ausbau des Kellers.

Lifteinbau im Innenhof:
herkömmliche Schalung unmöglich
Die begrenzten Platzverhältnisse im Innenhof (27 m2) stellten uns vor vielfältige Herausforderungen. Aufgrund mangelnder Installationsfläche erfolgten der Bau des Lüftungskanals und der Einbau des Liftschachts in mehreren Etappen und Teilbereichen. Zudem errichteten wir eine einhäuptige Wandschalung zum angrenzenden Gebäude an der Löwengasse 1, was die Platzverhältnisse weiter erschwerte. Beim Liftschacht hatten wir auf einer Seite nur 20 cm Platz, was eine herkömmliche Schalung mit 60 cm Platzbedarf unmöglich machte. Daher mussten wir auf eine massive Stahlplatte (15 mm) ausweichen. Während wir den Liftschacht Stockwerk für Stockwerk errichteten, wurden gleichzeitig das Dach und die beiden oberen Geschosse rückgebaut – dies erforderte eine enge Zusammenarbeit mit den Zimmerleuten. Beim Rückbau des Balkons stellten uns die ansässigen Tauben zudem immer wieder vor Probleme.

Das Treppenhaus wird entfernt
Im Keller wurden alle tragenden Wände beibehalten, und zur Erstellung der einzelnen Kellerabteile zogen wir mehrere Kalksandsteinwände ein. Auch spitzten wir das gesamte Mauerwerk ab und erstellten die Kanalisation. Da ein Teil des Bodens nur aus Erdreich bestand, bauten wir einen Betonboden ein, um eine belastbare Konstruktion zu schaffen. Des Weiteren entfernten wir das Treppenhaus, da sich die Stockwerkshöhe geändert hatte. Um unterschiedliche Steigungshöhen zu vermeiden, bauten wir eine neue Treppe ein.

Logistik, Zeitmanagement, Anstösser
Die logistische Abwicklung aller Transporte und Muldenabfuhren war eine weitere Herausforderung, da wir keine grossen Maschinen und Mulden einsetzen konnten. Zudem mussten die Anwohnerinnen und Anwohner sowie die Stadtpolizei frühzeitig informiert werden, wenn Strassensperrungen erforderlich waren – beispielsweise für den Einsatz von Baggern oder das Aufstellen des Krans. Auch bestand eine Terminbindung von 7 bis 12 Uhr in der Innenstadt, weshalb wir die Arbeitszeiten genau einhalten mussten. Es war uns immer sehr wichtig, Störungen zu vermeiden. Besonders die starke Staubentwicklung beim Entfernen der sogenannten Schlacke* war ein grosses Thema. Daher bildeten wir beim Abbruch entsprechende Sektoren, in denen sich jeweils ein Lüfter mit Filter befand. «Wir sind stolz, die Herausforderungen als Team gemeistert zu haben», sagt der zuständige Polier Illir Ismaili. Die Liegenschaft ist ab Frühling 2025 bezugsbereit. Weitere Informationen zu den Wohnungen und den Gewerbeflächen unter www.loewengasse3.ch.

* «Schlacke» ist eine poröse Masse, die aus Pulver und Asche besteht und früher zur Gewichtsgewinnung in den Boden eingebaut wurde.

 

Bauherrschaft
Löwengasse Immobilien AG

Architekt
Reto Egloff Architect AG

Bausumme
CHF 780 000

Bauzeit
September 2022 bis Dezember 2023

Zahlen
81 Mulden zu 11 m³
309 t Aushub
29 t Abbruch Gipsstoffe
28 t Abbruch Holz
112 t Mischabbruch
6 t Schlacke
120 m² Wandschalung einhäuptig
90 m² Liftschachtschalung
88 m² Deckenschalung
33 m³ Bodenplatte
54 m³ Wandbeton
24 m³ Deckenbeton
10 t Armierungen
6400 Mannstunden

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