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Strassenbau 2.0

Strassen- und Tiefbau

Für die Abteilung Tiefbau des Kantons Aargau realisierten wir ein BIM-Pilotprojekt: eine Strassenbaustelle, die vollständig digital geplant, modelliert und ausgeführt wurde. Als Totalunternehmer übernahmen wir gemeinsam mit dem Ingenieurbüro KSL Ingenieure AG die Gesamtverantwortung.

Zur besseren Anbindung der grossen Überbauungen am Chrüzweg in Staufen erstellten wir ab Juni 2025 zwei neue, rund 65 m lange Bushaltestellen mit Betonfahrbahn entlang der Aarauerstrasse. Zusätzlich setzten wir eine neue Strassenentwässerung sowie diverse Werkleitungen um. Im zweiten Teilprojekt an der Schafisheimerstrasse entstanden bis November 2025 ein 200 m langer Gehweg sowie zwei Fahrbahnhaltestellen.

Frühzeitig mitgestalten und vorausschauend planen
Im Gegensatz zur klassischen – nicht digitalen – Bauweise konnten wir uns bei diesem Auftrag bereits in der frühen Planungsphase einbringen und das digitale Projekt sowie das Ausführungsmodell aktiv mitgestalten. Der Kanton Aargau als Bauherr verlangte für die Baufreigabe ein vollständig abgeschlossenes Modell mit hohem Detailgrad – inklusive Signalisation, Bewehrung der Bushaltestellen, Fussgängerschutzinseln und Absteckungsdaten. Diese neue Möglichkeit, die Ausführungsunterlagen massgeblich mitzugestalten, verlängerte die Vorbereitungsphase um mehrere Monate. Zudem kamen neue Aufgaben hinzu: Verkehrsführung, Anwohnerinformation, Koordination mit Busbetrieben und Gemeinde – alles in enger Zusammenarbeit mit der Bauleitung.

Digital, papierlos und effizient
Das Ausführungsmodell stand uns während sämtlicher Projektphasen online zur Verfügung. Absteckungsdaten liessen sich direkt aus dem Modell auf die Vermessungsgeräte übertragen. Der auf GPS-Steuerung umgerüstete Pneubagger wurde schnell zum Favoriten auf der Baustelle – nicht nur wegen der autonomen Arbeitsweise des Maschinisten, sondern auch, weil benötigte Punkte direkt mit der Baggerschaufel abgesteckt werden konnten. Das Umdenken war jedoch für alle Beteiligten höchst anspruchsvoll, von den Auszubildenden bis zum Regionalleiter. Besprechungen zu Ablauf, Schnittstellen und Detaillösungen fanden nicht mehr mit ausgebreiteten Plänen statt, sondern am Computer. Dafür wurde ein digitales Planhaus mit Bildschirm und Rechner eingerichtet. Im Bürocontainer ersetzte ein Monitor die gedruckten Bauprogramme und Pläne. Zur Ausmasserfassung dokumentierte der Polier alle erbrachten Leistungen vor Ort mit einem georeferenzierten Lidarscanner. Die daraus entstehende Punktwolke wurde nach Abschluss der Arbeiten vom BIM-Zeichner des Ingenieurbüros als As-Built-Modell aufbereitet. Dieses Modell – inklusive aller Abweichungen – konnte direkt mit dem ursprünglichen Ausführungsmodell verglichen werden. Die Differenzen wurden als Mehr- oder Minderausmass verrechnet. Manuelle Messungen und Ausmassprotokolle entfielen somit vollständig.

Neue Herausforderungen
Digitale Baustellen bringen auch neue Anforderungen mit sich. Projektanpassungen können nicht mehr spontan vor Ort besprochen und umgesetzt werden. Da die gesamte Absteckung und die Baggersteuerung modellbasiert erfolgen, müssen Änderungen – etwa aufgrund ungenauer Werkleitungsbestände – zuerst im Modell angepasst und anschliessend an alle Geräte verteilt werden. Um Verzögerungen zu vermeiden, sind Flexibilität und Kreativität des Baustellenpersonals gefragt. Zu unserem erweiterten Verantwortungsbereich als Totalunternehmer zählten unter anderem Fahrbahnmarkierungen, Anpassungs- und Instandstellungsarbeiten durch den Gärtner sowie die Einhaltung der Sachleistungen gegenüber Drittbeteiligten.

Fazit: Umdenken notwendig
Ende November 2025 konnten wir das BIM-Projekt erfolgreich abschliessen. Es erforderte in vielen Bereichen ein Umdenken, das wir mit grosser Motivation und einem äusserst engagierten Baustellenteam gemeistert haben. Ich bin stolz auf meine Arbeitskollegen und freue mich auf weiteres digitales Bauen in der Zukunft.

 

Bauherrschaft
Kanton Aargau, ATB

Bausumme
CHF 1.5 Mio.

Bauzeit
Juni bis November 2025

Zahlen
2600 t Aushub
1100 t Belagsabbruch
300 t Betonabbruch
2400 t Kiesgemisch RC-B 0/45
1100 t Asphalt
70 m³ G-Beton
140 m³ Randsteinbeton
3 Buswartehäuser inkl. Betonfundamente

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